Irangeschäft zwischen Tradition und Sanktionen

Michael Tockuss: Aktuelle Entwicklungen der deutsch-iranischen Wirtschaftsbeziehungen

Geschäftsführendes Vorstandsmitglied – Deutsch-Iranische Handelskammer e.V. in Hamburg

Referent: Michael Tockuss


Die Memoiren von Mirza Ardeshir Zareh

In seinen Lebenserinnerungen wirft Mirza Ardeshir Zareh ein Schlaglicht auf den Iran in der Umbruchszeit der konstitutionellen Monarchie. Im Jahre 1911 ruft das Parlament den U.S.-amerikanischen Finanzexperten W. Morgan Shuster (The Strangling of Persia) ins Land, unter dessen Aufsicht Mirza Ardeshir eine vorbildliche Neustrukturierung des Teheraner Kornspeichers durchführt.

Als gelungenes Beispiel für eine Neuordnung der Steuerpolitik, wodurch die Finanzen innerhalb kürzester Zeit saniert werden, ruft das die Begehrlichkeiten der alten Garde von Ghajaren-Ministern wach und unter dem Druck der russischen und britischen Hegemonialmächte wird Shuster nach weniger als einem Jahr vertrieben.

Schirin Zareh, die Enkelin von Mirza Ardeshir, führt durch Teile der Memoiren, die sie ins Deutsche übersetzt hat und liest ausgewählte Passagen vor.

Referent: Frau Shirin Zareh

 


IRAN: Zivilisation aber keine Entwicklung. WARUM?

Während Westeuropa noch im finsteren Mittelalter verweilte, hatten die iranischen Herrscher – und wohl auch die Herrscher anderer orientalischer Hochkulturen, wie die ägyptischen, die chinesischen, die indischen etc. – mit Hilfe entwickelter Transportmittel und Kriegstechniken immer wieder neue Reiche gegründet, umfassende Verkehrssysteme und Kommunikationsstrukturen aufgebaut, das Geld- und Bankwesen entwickelt und mit dazu beitragen, dass sich auch die Wissenschaften entwickelten. Die Modernisierung und Industrialisierung fand aber in Westeuropa statt. Wie kann man dieses Paradox wissenschaftlich begründen?

Prof. Dr. Mohssen Massarrat

 


Weltkulturerbe “Iranische Gärten”

Im Mai 2013 organisierte der DIFV eine Reise “Die Gärten Irans” unter der Leitung von Dr. Parto Tehrani-Krönner und Hartmut Niemann. Von den neun Gärten des Weltkulturerbeensembles “Iranische Gärten” wurden sieben besucht, u.a. in Kashan, Isfahan, Shiraz, Yazd, Mahan und Tabas.


Die Geschichte der Perserteppiche und die Hintergründe der Entstehung ihrer Muster

Bereits seit der Antike wurden im Iran Filzteppiche, flachgewebte Teppiche, Knüpf- und Stickteppiche hergestellt. Nach Auffassung einiger Spezialisten sind die Belege für lang- und kurzflorige Teppiche im Iran, also Knüpfware, die mit Tierfiguren und anderen Mustern geschmückt waren, im 3. Jahrhundert v. Chr. ausreichend und glaubhaft. Berühmt ist der archäologische Fund des Knüpfteppichs in einem Skythengrab in Pazyryk in Zentralasien, der bisher aber alleinsteht. Iranische Teppiche sind ohne Zweifel eine der bemerkenswertesten Äußerungen der Kunst und der Kultur und ihre Herstellung geht weit in die Vergangenheit des alten Iran zurück. Die Teppichornamente haben sich schrittweise über Jahrtausende im Rhythmus einer uralten Kultur fortentwickelt und einzigartige und kostbare Beispiele hinterlassen, die von hohem Kunstsinn und großer Fertigkeit zeugen. Obwohl es Belege dafür gibt, dass Teppiche eine sehr alte Tradition im Iran haben, wurden sie aber erst berühmt, als die großartigen persischen Teppiche des 16. und 17. Jahrhunderts, des so genannten klassischen Zeitalters, auch im Westen bekannt wurden. Die Teppiche dieser Zeit zeichneten sich durch besonders anspruchsvolle Muster und technische Perfektion aus.

In diesem Vortrag wird über die persischen Teppiche und dessen Entwicklung vom Anfang bis zum Ende der Safawidenzeit berichtet.

Referentin: Frau Simin Afsharnia


Eine neue Ära für Iran? Chancen und Herausforderungen für die Außen- und Innenpolitik

Der Vortrag beginnt mit einer Revue des sog. Atomstreits des letzten Jahrzehnts und evaluiert seine außen- und innenpolitischen Auswirkungen. Daraufhin werden die jüngsten Entwicklungen rund um die Präsidentschaft von Hassan Rohani thematisiert. Schließlich werden Chancen und Herausforderungen für eine positive zukünftige Entwicklung Irans aufgezeigt.

Politikwissenschaftler, School of Oriental and African Studies (SOAS), University of London.

Referent: Herr Ali Fathollah-Nejad


Die Parther, eine vergessene iranische Weltmacht

In dem Vortrag werden die Parther und das Parthische Reich vorgestellt. Das Partherreich (ca. 247 v. Chr. bis 224 n. Chr.) gehört neben dem achämenidischen und dem sasanidischen Großreich zu den drei letzten iranischen spätaltorientalischen Großreichen. Das Partherreich löste das hellenistisch geprägte Seleukidenreich ab und war über 500 Jahre ebenbürtiger Nachbar und Feind der Römer, die die Macht der Parther niemals besiegen konnten. Die Periode des Partherreichs entwickelte sich zu einem der innovativsten Abschnitte in der Geschichte des alten Orients, in der nicht nur die Seidenstrasse eröffnet wurde, und christliche Prediger bis nach Indien zogen, sondern auch umfangreiche Transfer- und Transformationsprozesse zwischen den eurasischen Nomadenstämmen und den Großreichen mit seßhafter Bevölkerung in Iran, Mittelasien und Indien stattfanden. In der 500 Jahre andauernden Herrschaft der Parther verschmolzen achämenidische, hellenistische, mittelasiatisch- eurasische und chinesische Einflüsse in allen Bereichen miteinander und führten zu zahlreichen neuen Entwicklungen in Kunst, Militär und Architektur, die teilweise bis heute intensiv nachwirken. Der Vortrag wird Geschichte, Kunst, Kultur, Architektur, Militärwesen und die internationale Wirkung dieses zu Unrecht in Vergessenheit geratene Reich beleuchten

Referentin: Dr. Sylvia Winkelman


Die persische Sprache und der iranische Nationalismus

Für das Verständnis der modernen iranischen Nation, ihrer nationalen Ideologie und ihres Selbstverständnisses ist die Entwicklung der persischen Sprache und der an diese Sprache gebundenen Kultur von eminenter Bedeutung. Der Referent skizziert die wichtigsten Fakten, die zu einem kulturhistorisch angemessenen Verständnis der Entwicklung der persischen Sprache wichtig sind, und geht dabei auch auf kulturhistorische “Mißverständnisse” ein, die das Verhältnis modernen Iraner zu, und das “national geprägte” Verständnis von, ihrer Sprache charakterisieren. Schließlich stellt er mit dem Konzept des “kulturellen Gedächtnisses” einen innovativen Interpretationrahmen zum Verständnis persischer Sprach- und Kulturgeschichte und ihrer Wechselbeziehung vor.

Referent: Prof. Ludwig Paul

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Persische Augen – Photographien und Geschichten aus Kashan

Kashan – eine persische, quasi in den Wüstensand gegrabene Stadt an der einstigen Seidenstraße, berühmt für Teppiche, Rosenöl und Keramik und ein architektonisches Juwel. Die Spuren der Sialk-Zivilisation – eine der ältesten bekannten Menschheitszivilisation, die siebentausend Jahre zurückreicht – sind auf den archäologischen Hügeln des Tepe Sialk mit ihren Keramik-, Kupfer- und Bronzefunden in einer Entfernung von 2 km im unmittelbaren Umkreis der Stadt zu finden. Saied Sharifi, iranischer Photograph und Filmemacher, lebt seit 1980 in Berlin. Er studierte Photographie und Experimentelle Filmgestaltung an der UdK Berlin bei Prof. Heinz Emigholz. 30 Jahre, nachdem er Kashan als Jugendlicher durchstreifte und lieben lernte, fotografiert und erzählt Saied Sharifi sein Wiedersehen mit den faszinierenden, inzwischen aber stark veränderten Ort. Die Begegnung mit einem alten Teppichmustermaler eröffnet ihm die Fenster zu verborgenen Welten einer bedrohten Kultur.

Referent: Herr Saied Sharifi


Frühe deutsche Iranreisende des 17. und 18. Jahrhunderts

“In einer Welt, die ständig weiter zusammen wächst und die über schier unerschöpfliche Informationsquellen verfügt, glauben wir Vieles über andere Länder und Kulturen zu wissen. Bei Iran scheinen da Zweifel angebracht …. aber darum geht es in diesem Vortrag nicht! Er widmet sich vielmehr der Frage, welches Bild von Iran in Deutschland im 17. und 18. Jh. bestand und wie die Informationen zu diesem Bild zustande gekommen sind.

Exemplarisch soll das an drei Persönlichkeiten dieser Zeit dargestellt werden, die zu den wichtigsten deutschen Reisenden nach Vorderasien jener Zeit gehörten: · Adam Olearius · Engelbert Kaempfer · Carsten Niebuhr Neben dem Werdegang dieser Männer und ihren Reisen widmet sich der Vortrag insbesondere deren Ertrag sowie den Spuren, die sie in der deutschen Kulturgeschichte hinterlassen haben.”

Referent: Herr Hartmut Niemann